Rammersweier - Dorffilm von 1956

Der Akkordeon Spielring Zell – Weierbach – Rammersweier beauftragte 1956 den „Filmdienst Heimatfilm - Aktion Filmoton“ aus Gronau/Westfalen zur Erstellung eines Filmes in Zell-Weierbach und in Rammersweier.

Als Hintergrundinformation zum Film und wie die Filmfirma gearbeitet hat  ( fehlende Bildqualität, fehlendes Drehbuch, Geschichte des Filmteams etc. ) vorab ein paar Informationen.

Firmengründer war Johannes, W., L. Adolfs * 1917 + 1977 aus Enschede / Niederlande

- Zur Person

Der Enscheder Geschäftsmann Adolfs war die treibende Kraft hinter dem Phänomen des Dorffilmes.
Er war kein geborener Filmemacher, sondern hatte nur einen kreativen und ausgefallenen Unternehmergeist.
Als junger Mann handelte er mit Tabak, aber als sein Import während des Zweiten Weltkrieges zum Erliegen kam, suchte er eine andere Einnahme-quelle.
Er machte Schallplattenaufnahmen, das Experiment erwies sich aber wirtschaftlich als wenig erfolgreich.
Nun kam ihm die Idee mit Filmaufnahmen, um in dieser schwierigen Zeit nach dem 2. Weltkrieg zu überleben.
Er wand sich über die Dachverbände an die Musik-und Gesangvereine mit dem Vorschlag einen Film über den Ort zu drehen, welcher nach Fertigstellung gegen eine Gebühr von den Vereinen vorgeführt werden könne.
Das erwirtschaftete Geld sollte den Vereinen zur Beschaffung von neuen Uniformen und Musikinstrumenten und Notenmaterial etc. zur Verfügung stehen.

Das Konzept wurde angepasst um das Projekt profitabel zu machen, und am Ende war die Filmkampagne ein großer Erfolg.

Zwischen 1948 und 1970 ließ er fast in 1500 holländischen Dörfern und Orte filmen.

1956 verlegte er, nachdem in den Niederlanden schon in vielen Orten gefilmt war, seinen Arbeitsschwerpunkt nach Deutschland in Gronau/Westfalen.

In Deutschland wurden ca. 400 Filme produziert.
Die Fa. „Filmdienst Heimatfilm“ Gronau wurde am 30.05.1973 gelöscht.

- Geschäftsphilosophie, Dreharbeiten nach festem Schema etc.

Die Aufnahmen folgten immer nach einem festen Schema.

Zuerst gab es eine Tour durch das Dorf, welche die Bewohner bei ihren täglichen Aktivitäten zeigten.
Zu sehen sind sehr viele Bürger, vom Kleinkind bis zu den Omas u. Opas, Aufnahmen der Kinder im Kindergarten und in der Schule, der Kirchgang, die Geschäfte und Gaststätten.
Abschließend zeigte man die Feuerwehr in einer Einsatzübung und einen Festzug mit allen Vereinen der sich unter großer Anteilnahme der Bevölkerung durch das Dorf bewegte. ( kurzum, es wurden alle Menschen gefilmt die zu sehen waren ob sie es wollten oder nicht )

Man wollte so viel als möglich Dorfbewohner als „Filmschauspieler“ aufnehmen, und versprach sich dadurch dass jeder im Ort auch den Film anschließend gegen Zahlung einer Gebühr sehen wollte.


Gefilmt wurde nur in Orten ab 700 und nicht mehr als 10.000 Einwohnern.
Die Filme waren nicht als hochwertige Dokumentationen gedacht und hatten keinen großen Anspruch wie Adolfs selbst betonte.
Das Team fuhr an mehreren Tagen mit einem VW-Bus, bestückt mit großen Lautsprechern, durch den Ort und machte lautstark auf das Geschehen aufmerksam.

Endstanden sind 2 schwarz/weiß Stummfilme von jeweils ca. 65 min Länge.

Am 29. u. 30.01.1957 wurde der Ramersweierer Film im Blumensaal unter großer Beteiligung der Bevölkerung gezeigt.

Am 25. u. 26.01.1957 war die Filmpremiere für die Zeller Bürger im Sonnesaal.
Im Tätigkeitsbericht des Akkordeon Spielrings Zell–Weierbach – Rammerweier von 1956/57 schreibt der Schriftführer über die Entstehung des Dorffilmes von einem großen kulturellen Ereignis für Rammersweier, Zell u. den Verein.

Abschließend darf man feststellen, dass nach einer doch recht umfangreichen und intensiven Suche, unser Ortsfilm incl. Hintergrundinformation in bestmöglicher digitaler Qualität vorliegt.

2016 wurde der Film noch von 3 Zeitzeugen aus Rammersweier sachkundig „besprochen“.

In den Niederlanden und auch in NRW gibt es offizielle Stellen, welche das Filmmaterial als interessantes, erhaltenswertes Material suchen, digitalisieren und archivieren.

Mein Kontakt zu mehreren süddeutschen Orten, in welchen auch der Filmdienst Heimatfilm tätig war, hat ergeben, dass wir eine sehr gute filmische Dokumentation unseres Ortes aus der Nachkriegszeit besitzen.

In allen Orten ist das Filmmaterial digitalisiert, käuflich erhältlich und der Bevölkerung vorgeführt worden.

Danke

Die Ortsverwaltung bedankt sich ganz herzlich bei Herrn Heizmann, der seit einigen Jahren sich um die Aufarbeitung des historischen Filmmaterials unserer Ortschaft bemüht.