3.9     ENTDECKUNG AUS VERGANGENEN TAGEN - DAS RÖMERBAD


Foto von G. Fischer (c) 

In Offenburg kreuzen sich zwei römische Straßen. Heute vermutet man auf der Gemarkung Offenburg eine Niederlassung und sogar vielleicht ein römisches Kastell. Bestätigt wird diese Vermutung durch eine „Villa Rustica“ (römischer Gutshof), die man 1971 neben der zur Lindenhöhe führenden Lonsstraße freigelegt hat.

Im Frühjahr 1993 begann man mit der Erschließung des neuen Gewerbegebietes in Rammersweier. Das Gelände, durch das heute die verlängerte Moltkestraße führt, wurde von einem Bombensuchtrupp nach Überresten aus den Kriegen abgesucht. Wie erwartet, spürten die empfindlichen Sensoren an einer Stelle nicht die Hinterlassenschaften des Krieges auf, sondern Mauerreste. Zunächst schätzte man diese in die Zeit des Mittelalters.

Die Grabungen konnten jedoch erst ein Jahr später aufgenommen werden, da aufgrund der Bauarbeiten direkt daneben ein Erdwall der neuen Straße aufgehäuft war. Als man dann mit der Ausgrabung begann, datierte man aus den Überresten einer südgallischen Tonscherbe die Mauerreste auf die Zeit um etwa 50 n. Chr. Die Überraschung war groß, zumal die eigentliche Besiedlung der Römer in dieser Gegend erst 20 Jahre später in Gang gekommen war.

Als die Ausgrabungen im Sommer 1994 beendet waren, war die Sensation perfekt. Die Mauerreste waren ein Teil von einem beheizten römischen Bad, welches vermutlich zu einem ländlichen Anwesen („Villa Rustica“) gehörte. In dem Bad gab es ein Warm-, Kalt-, Sitz- und Schwitzbad. Es bestand aus einem Doppelboden zwischen dem ein Feuer brannte; ersichtlich wurde dies durch den Lößlehm, der durch die Hitze rotgefärbt ist. Die Grundmauern sind vollständig erhalten, bis auf einen kleinen Teil, die der Probegrabung des Baggers zum Opfer gefallen sind. Im Jahresbericht der Badischen Stahlwerke kann man lesen:„Wo morgen der Verkehr rollen soll, tummelten sich gestern die Römer im Bad.“

Glücklicherweise liegt das Bad direkt neben der Moltkestraßeverlängerung und kann somit erhalten bleiben. Das Kleinod wurde im Sommer 1995 von einheimischen Maurern und Handwerkern mit Hilfe von Archäologen konserviert, damit das alte Mauerwerk nicht in kurzer Zeit der Witterung zum Opfer fällt.

Abbildung 9: Die Skizze zeigt den archäologischen Befund der Badanlage in Rammersweier: P - Heizstelle, C - Heißbad, S - Schwitzbad, T - Laubad  (Quelle: Landesdenkmalamt Freiburg)

Wie man mittlerweile weiß, war die Anlage ein Militärbad. Etwa 50 Meter von der Fundstelle des Bades, hat man eine Ofenanlage entdeckt. Neben dieser Ofenanlage verlief ein Spitzgraben, der zu einem römischen Erdkastell gehörte. Die einzigen Beweise für das Kastell sind nur noch Bodenverfärbungen, welche anhand von Geländeschnitten festgestellt worden sind. Die Forschungs- und Grabungsarbeiten der Arbeiter des Landesdenkmalamtes dauern derzeit noch an.

Abbildung 10: Das Bad nach der Ausgrabung