Historie

Dieser Menupunkt entstammt aus der Zulassungsarbeit zum 1. Staatsexamen von Trudpert Hurst, die 1996 erstellt wurde. Deshalb sind die hier aufgeführten Ausführungen nur bis zu dieser Zeit aktuell. Zur Online Ausgabe der kompletten Arbeit gelangen Sie hier.

Rückblick auf die Geschichte von Rammersweier

3.1     Geschichtliche und politische Entwicklung um die Gegend des Dorfes

Bei den folgenden Angaben über den geschichtlichen und politischen Werdegang der Umgebung von Rammersweier sind besonders die Ereignisse hervorgehoben, die den weiteren Weg des Dorfes geprägt haben. Zu detaillierte Angaben über die Geschichte dieser Gegend würden den Rahmen dieser Arbeit überschreiten.

3.1.1     Die Kelten und die Römer

Heute wissen wir, daß die Kelten die erste Völkerschaft waren, welche unser Gebiet bewohnten. Sie wurden aber von den Römern geschlagen, die dann die Kultur Mittelbadens drei Jahrhunderte bestimmten. Auf dem Boden der Gemarkung von Offenburg kreuzen sich zwei römische Straßen: der Schwarzwaldübergang von Straßburg nach Rottweil und die nordsüdliche Verbindung zwischen den römischen Bädern in Baden-Baden und Badenweiler.

Die Alemannen haben um 300 n. Chr. diese Welt keltisch-römischen Lebens dann zerstört; sie wurden jedoch nach einem Ausdehnungsversuch nach Norden von den Franken hinter die Murglinie zurückgedrängt. Die Besiedlung, die in unserer Region vor 500 n. Chr. recht dünn gewesen sein muß, wurde nach dieser Verdrängung dichter. Sie beschränkte sich aber besonders auf die Niederterasse im Westen und die Vorhügelzone, wo dann auch zahlreiche Orte entstanden sind, die mit -heim enden.

3.1.2     Die Mortenau

Nachdem im 8. Jahrhundert n. Chr. der nördliche Grenzgau des Alemannenlandes als Grafschaft in den fränkischen Staat eingegliedert wurde, erscheint erstmals in einer Urkunde von 768 n. Chr. die „Mordenaugia“. Durch die Unterwerfung der fränkischen Botsmäßigkeit vollzog sich die Christianisierung. In dieser Zeit gegründete Benediktinerabteien wie Gengenbach, Schuttern und Schwarzach wurden von Königen und Herzögen unterstützt, da sie nicht nur Glaubensstätten, sondern auch Zentren von Verwaltung und Kultur darstellten.

Im 11. Jahrhundert belehnte Kaiser Heinrich II. den Grafen des Breisgaus und Thurgau mit der Mortenau. Durch den erworbenen Herzogtitel war man an das Herrschergeschlecht der Burg Zähringen bei Freiburg gebunden. Das Staatsgebiet (Schweiz und Südbaden) wurde von den Herzögen dann wirtschaftlich durch Waldrodungen und Entwässerung von Sümpfen erschlossen und militärisch gesichert. In dieser Zeit entstanden durch die Unterstützung der Grundherren Dörfer mit den Endungen -weier,
-ach, -bach und Siedlungen mit der Endung -hofen. Gesichert wurde das Staatsgebiet durch den Bau von Burgen und durch die Gründung von Städten. 1218 zerbrach der zähringische Staat mit dem Tod des letzten Herzogs, Berthold des Fünften. Der staufische Kaiser Friedrich II. schaltete sich in den Erbstreit ein und baute das staufische Reichsgut aus.

3.1.3     Von der Mortenau zur Ortenau

Politisch aufgelöst wurde die Mortenau durch den Untergang des staufischen Kaiserhauses. Aus der ehemaligen Grafschaft entstanden dann über 20 kleine Herrschaftsgebiete (Bistum Straßburg, Gengenbach, Schuttern, u. a.), die sich zum Teil schon früher abgespalten hatten. Im 13. und 14. Jahrhundert war die Ortenau kein einheitliches Gebilde mehr. 32 Jahre nach der Ersterwähnung (1242) von Rammersweier, gehörte das Dorf zur Landvogtei Mortenau, dessen herrschaftliche Beziehungen über 500 Jahre bestehen konnten. Durch den Einfluß des Burgnamens Ortenberg (vom 13.-17. Jahrhundert war das Schloß Mittelpunkt der Herrschaft) verschwand im Laufe der Zeit der erste Buchstabe ‘M’, wodurch aus ‘Mortenau’ die ‘Ortenau’ wurde.

Die politischen Verhältnisse wurden durch die Französische Revolution (1789-1799) und die Napoleonischen Feldzüge von Grund auf neu bestimmt. Durch die Säkularisation verlor die Kirche einen Großteil ihrer Macht; beispielsweise die Kapuzinerklöster in Offenburg, Oberkirch, Oppenau und Baden-Baden. Am 30. Juni 1806 wurde Großherzog Karl Friedrich von Baden von der Ortenauer Bevölkerung gehuldigt, denn die geistlichen und reichsunmittelbaren Territorien wurden in den badischen Staat eingegliedert.

3.2     Kriege

Offenburg war in der Vergangenheit oft ein Schauplatz von Kriegen, so daß dabei die umliegenden Dörfer meistens in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) wurde Rammersweier völlig zerstört. Im Sterbebuch der Hl.-Kreuz-Kirche in Offenburg ist zu lesen, daß Rammersweier am 22. Februar 1632 von den Schweden in Brand gesteckt wurde und in Schutt und Asche unterging (siehe auch Kapitel „Das Schlößlein Erlenburg“). Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges blieb die Umgebung von Offenburg weiterhin ein Kriegsschauplatz anderer Kriege. In dieser Zeit wurden viele Soldaten und Zuzügler in der Offenburger Umgebung seßhaft.

Weitere Kriege, bei denen Offenburg und somit auch Rammersweier in Mitleidenschaft gezogen wurde, waren unter anderem der Holländisch-Spanische Krieg (1675) und die Französischen Revolutionskriege (1792-1799) Im deutsch-französischen Krieg (1870/71) beklagten die Rammersweirer ihre ersten Kriegsopfer.

3.2.1     Erster Weltkrieg (1914-1918)

Nachdem im August 1915, ein Jahr nach Ausbruch des 1. Weltkriegs in Offenburg drei Bomben abgeworfen (bevorzugt auf das Bahngelände von Offenburg) und vierzehn Menschen verletzt wurden, wurde Rammersweier selbst zum Kriegsschauplatz. Am 7. Februar zog eine Abwehrfliegerstation mit rund 100 Soldaten in das Dorf ein und ließ sich im Erdgeschoß des „Römischen Kaisers“ nieder. Angeblich wurde diese Aktion jedoch verraten, so daß am 12. Februar französische Flugzeuge Bomben in und um Rammersweier niederwarfen: oberhalb des Kindergartens auf der Laubenmatte, auf das Haus der Familie Maier, welches teilweise zerstört wurde. Im ganzen waren es rund  20 Bomben, welche die Umgebung von Rammersweier zeichneten.

Pfarrer Heizmann, zu dieser Zeit Seelsorger von Weingarten erzählte:

„Es war eine große Panik. Die Leute bargen sich in Schwein-, Vieh- und Ziegenställe in den Keller gehen sie der Gasbomben wegen nicht. Es wurde an Menschen niemand verletzt... Milchmann Augustin Hahn (alt) und Frau Schillinger in Rammersweier lagen lange mit Nervenschock im Krankenhaus.“

Nach dem Ende des Krieges stand eine ganze Generation fassungslos den bestehenden Umständen gegenüber. Der Eindruck von Kapitulation, Mangel an Lebensmittel und die Vorstellungswelt der Weltkriegsgeneration prägten den Weg der zukünftigen Weimarer Republik.

49 Soldaten aus Rammersweier mußten im Ersten Weltkrieges ihr Leben lassen.

3.2.2     Zweiter Weltkrieg (1939-1945)

Wie im Ersten Weltkrieg konzentrierten sich die Angriffe der Kriegsgegner auf die Ausschaltung von wichtigen Verbindungslinien, wie die Offenburger Gleisanlagen. Im August 1944 konzentrierten sich die Bombenangriffe der Franzosen immer mehr auf die Anlagen des Offenburger Verschiebebahnhofs und das Ausbesserungswerk. Dabei wurden in Rammersweier bei einem Bombenangriff elf Häuser (fünf davon völlig) zerstört. Beim schwersten Angriff auf den Bahnhof, am 27. November 1944, starben in einem Bunker neben dem Bahngelände viele Menschen, da dieser nicht genug Deckung bot. Unter den Toten befand sich auch der Rammersweirer Joseph Götz.

Am 19. März 1945 gab Hitler den „Nerobefehl“ aus, am 12. April 1945 den „Durchhaltebefehl“: Es wurde mit der Todesstrafe gedroht, wenn man vor dem Feind

kapitulierte. Als am 15. April 1945 französische Truppen in Offenburg einmarschierten, wurden Panzersperren vor dem Dorfeingang aufgestellt. Obwohl bei Befehlsverweigerung die Todesstrafe drohte, waren es in Rammersweier der Schmiedemeister Anton Abt und der Blumenwirt End, welche immer wieder die Sperren öffneten, um die Franzosen einmarschieren zu lassen. Im Mai 1945 zogen die Franzosen schließlich dann auch in Rammersweier ein. Die schrecklichen Ereignisse des Krieges vergaß die Bevölkerung lange nicht.

Im Zweiten Weltkrieg hatte man 75 Gefallene in Rammersweier zu beklagen.

3.2.3     Das Massengrab auf dem Exerzierplatz in Rammersweier

Im November und Dezember 1944 wurden auf den Befehl des Gauleiters Wagner junge Elsässer zwangsrekrutiert. Nachdem sich viele von ihnen weigerten und flohen, verhaftete die Gestapo kurz darauf willkürlich elf Familienväter aus Thann und Umgebung. Nachdem man sie nach Offenburg verschleppte und mißhandelt hatte, wurden sie am 6. Dezember 1944 in einem Bombentrichter auf dem Exerzierplatz durch Genickschuß hingerichtet.

Die Tat kam erst zwei Jahre später durch ein Geständnis von einem der Beteiligten zum Tageslicht, so daß man am 5. Mai 1947 die Leichen barg und sie am 8. Mai auf dem Offenburger Friedhof feierlich beisetzte. Heute erinnern ein Mahnmal im Gewann Talebuckel und ein Denkmal an der Durbacherstraße an diese schreckliche Tat.

Obwohl Rammersweier nicht dafür verantwortlich war, hat man im Dorf inzwischen Kontakte mit Alt-Thann geschlossen. Anläßlich des 50. Jahrestages der Ermordung der elf jungen elsässischen Widerstandskämpfer, traf eine Anordnung von 60 Personen aus Alt-Thann am 6. Dezember 1994 in Rammersweier ein, wo man zusammen mit der Ortsverwaltung Rammersweier und Rammersweirer Bürgern eine Gedenkstunde an der Hinrichtungsstätte abhielt. Seit dieser schlichten Feierstunde, die nun schon zweimal abgehalten wurde, hat sich ein reger Kontakt zwischen Alt-Thann und Rammersweier entwickelt.

Abbildung 4: Das Denkmal an der Durbacher Straße zur Erinnerung an die Hinrichtung der französischen Widerstandskämpfer

3.3     Ersterwähnung

Rammersweier ist vermutlich im 12. oder 13. Jahrhundert auf grundherrlichem Boden entstanden.

Die erste schriftliche Überlieferung auf die Existenz des Dorfes kann man aus einer Vergleichsurkunde vom 3. April 1242 finden. In dieser Urkunde geht es um einen Streit um die Zehnteinnahmen, der sich ursprünglich am Weinzehnten entzündete, sich aber dann auf den Kornzehnten erweiterte. Die genauen Gründe für die Entstehung dieses Konflikts sind nicht bekannt. Bischof Berthold von Straßburg bereinigte damit einen Streit zwischen dem Abt des Klosters Gengenbach und dem Domherrn, Conrad von Wolfach, der Pfarrer von Offenburg war. Pfarrei und Kloster teilten sich für die Zukunft den Weinzehnten. In der Urkunde wird Rammersweier gleich dreimal erwähnt. Da das Original in lateinischem Text geschrieben war, wurde für Rammersweier als Schreibweise der Ortsname „Romeswilre“ verwendet. Mit der Ortschaft Rammersweier erscheinen ebenfalls erstmals vier weitere Dörfer in der Urkunde: Fessenbach, Elgersweier, Griesheim und Bühl.

3.3.1     Verschiedene Schreibweisen von Rammersweier

1242   Romeswilre

1273   Romswilre

1289   Romerswilre

1308   Romsswilre

1423   Romßwiler

1469   Romschwiler

1504   Romßweyer

1526   Rommswyler

1597   Rambschweyer

3.4     Die Vereinigung von ´Ober-´ und ´Unterrammersweyer´

Bis 1810 bestand das Dorf aus zwei Gemeindeteilen, welche zwar eine Gemarkungsfläche bildeten, aber verwaltungsmäßig voneinander getrennt waren: „Unter-Rammersweyer“ und „Ober-Rammersweyer“. Unterrammersweier zählte zum Griesheimer Gericht, wogegen Oberrammersweier zum Stabsverband Zell und Gerichtsverband Ortenberg gehörte. Im 12. und 13. Jahrhundert ist Unterrammersweier wahrscheinlich auf grundherrlichem Boden entstanden. Grundherren waren zu jener Zeit das St. Andreas-Hospital Offenburg, zusätzlich, aber nicht von sehr großer Bedeutung, die Klöster Gengenbach und Allerheiligen. Der erste direkte Verweis auf den Weinbau stammt auch aus dieser Zeit, der bis heute eine wichtige Rolle im Dorf spielt.

Ein bedeutender Grund der Vereinigung der beiden Ortschaften war die Entstehung des Großherzogtums Baden, wodurch die alten Verwaltungsstrukturen aufgelöst wurden und somit auch die Gerichte Ortenberg und Griesheim.

Großherzog Karl Friedrich verkündete am 26. November 1809 ein Organisationsdelikt, welches der Auslöser dafür war, daß die Rammersweirer eine Vereinigung anstrebten. Nach dieser neuen Verordnung mußte der Adel auf dem Gebiet der Gemeindeverwaltung eine Neuverteilung der Ämter hinnehmen. Deshalb sollte jeder Ort der mindestens 40 Einwohnern hatte, ein eigenes Gericht erhalten. Außerdem mußten Verbindungen wie Kirchspiels-, Stabs-, Amtsschultheißeren aufgehoben werden. Die Oberrammersweierer stellten deshalb im Mai 1810 einen Antrag zur Abtrennung vom bisherigen Zeller Stab und forderten die Vereinigung mit Unterrammersweier. Nachdem der Antrag genehmigt wurde, trafen sich die 134 Bürger von Ober- und Unterrammersweier im „Kaiserwirtshaus“, wo sie aus ihren Reihen einen Stabhalter (dieser hatte die Aufsicht über die Ortspolizei und die Vollstreckung der Befehle) und einen Vogt (Ortsvorgesetzer) wählen mußten.

Die Aufgaben des Vogts:

a)   „den Vollzug alles dessen, was in die Orts- und Feldpolizei einschlägt, zu leiten;

b)   die Befehle der höheren Stellen zu verkünden und zu vollstrecken;

c)   bei außerordentlichen Vorfällen, und überhaupt über alle einer höheren Entschließung vorbehaltenen Gegenstände dem Amt die Anzeige machen;

d)   Streitigkeiten, welche auf dem Lande nicht über 5 fl. (...) zu entscheiden;

e)   kleine Polizeifrevel und Unordnungen, deren Strafe nicht gesetzlich bestimmt ist, bis auf höchstens 2 fl. Geldstrafe oder 24stündige Einthürmung zu rügen.

f)    diejenigen Polizeivergehen, welche ihre bestimmten Legalstrafen haben, z.B. Verkauf zu leichten Brods oder Fleisches, Felddiebstahl u. dgl., zu bestrafen;

g)   die Vormundschaftsbestellungen bei geeigneten Fällen bei Amt zu betreiben;

h)   (...) Verlassenschafts-Besiegelungen (...)

i)     (...) Inventuren und Abtheilungen beizuwohnen (...), das Taxationsgeschäft zu verrichten (...)

j)    überhaupt alles dasjenige zu verrichten und zu fördern, wodurch er dem Lande, dem Regenten und der Gemeinde, welcher er vorsteht, nützlich seyn kann.“

Die Wahl des Vogts fiel auf einen Oberramersweierer, die des Stabhalters auf einen Unterrammersweierer. Am 14. August 1810 trennte sich die Ortschaft Oberrammersweier von dem Ortenberger Gericht und die Unterrammersweierer vom Griesheimer Gericht. Die Unterrammersweierer richteten bereits eine Woche später an den Großherzog Karl Friedrich die Bitte, den Vereinigungsbeschluß rückgängig zu machen. Zum einen betrachtete man die Vereinigung als einen Verstoß gegen traditonelles Recht, zum anderen hatten die fast unverschuldeten Unterrammersweierer Angst, nach der Vereinigung mit Oberrammersweier die Rückzahlung der Zeller Stabsschulden (vor allem Kriegsschulden) mittragen zu müssen. Der neugewählte Vogt (der aus Oberrammersweier kam) erfuhr von diesem Protestbrief und ließ ein Antwortschreiben an das Ministerium des Innern aufsetzen. Das Ergebnis dieses Konflikts war, daß das Ministerium eine genaue Verrechnung der Schulden der Oberrammersweirer verordnete. Somit mußten beide Parteien einen Kompromiß hinnehmen: Unterrammersweier mußte die Zusammenlegung der beiden Ortschaften hinnehmen und die Oberrammersweirer sollten ihre Schulden noch selbständig begleichen.

Die Vereinigung der beiden Bevölkerungsteile zog sich jedoch noch lange Jahre dahin. Im November schrieb der Vogt Dieß, daß er oft „halbe däge mit den Zankereien und Händel müsste verbringen“. Der Streit verlor sich zwar im Laufe der Vergangenheit, doch bis heute spricht man im Dorf immer noch vom „Oberdorf“ und „Unterdorf“.

3.5     Die Vögte und Bürgermeister der Gemeinde Rammersweier

1786

Jacob May (Unterrammersweier)

1792-1800

Heimburger Joseph Ott (Unterrammersweier)

1806

Bürgermeister Joseph Jungel (Unterrammersweier)

1810

Bürgermeister Michael Busam (Unterrammersweier)

1799-1810

Vogt Mathias Deiß (Oberrammersweier)

1810-1814

Vogt Mathias Deiß und Bürgermeister Michael Busam (als

 

gemeinschaftlicher Verrechner)

1814-1821

Bürgermeister ? Gießler

1817-1827

Vogt Michael Busam zusammen mit Bürgermeister Litterst

1827-1831

Vogt Michael Busam

1832-1833

Michael Busam (ab 1832 „Bürgermeister“)

1833-1841

Georg Bieser

1841-1847

Anton Hansmann

1847-1849

Johann Nepomuk Braun

1849-1857

Anton Hansmann

1857-1866

Benjamin Hurst

1866-1889

Josef End

1889-1894

Heinrich Basler

1894-1897

Johann Kiefer

1897-1915

Xaver Jungel

1915-1918

Ferdinant See

1919-1933

Heinrich Jungel

1933-1945

Jakob Henn

1942-1943

Franz Kiefer (in Stellvertretung)

1943-1945

Emil Hurst (in Stellvertretung)

1945-1948

Heinrich Hurst

1948-1964

Emil Hurst

1964-1968

Karl Klein

1968-1991

Heinz-Jürgen Steiert (ab 1971 „Ortsvorsteher“)

1991-2007

Gerhard Hurst

2007-2014

Ulrich Hartmann

seit 2014

Trudpert Hurst


Rammersweirer Geschichte?

Ereignisse, die für andere Regionen von geschichtlich wichtiger Bedeutung waren, fanden in Rammersweier sicherlich nicht statt, doch die politischen und sozialen Entwicklungen hinterließen auch in dem Weindorf ihre Spuren: Kriege, Mediatisierung und Säkularisation brachten eine Veränderung politischer Herrschaftsverhältnisse mit sich. Vor allem durch staatliche Eingriffe änderte sich das Verhältnis von Staat, Kirche, Gemeinde und Untertan. Zugunsten der staatlichen Bürokratie verloren die Gemeindeverwaltung und die Kirche an Kompetenz, wodurch gleichzeitig der Modernisierungsprozeß der Gesellschaft vorangetrieben wurde. Hierbei zeigte sich, wie in den meisten badischen Gemeinden, die Machtlosigkeit der Bevölkerung gegenüber diesen Veränderungen.

Beispielsweise hatte die Abschiebung der Versorgungspflicht auf die Gemeinden und die Auflösung der kirchlichen Armenpflege zur Folge, daß gerade die Betroffenen schwer darunter leiden mußten. Hier zeigt sich, daß nicht nur die Veränderungen auf politischer Ebene, sondern auch soziale Folgen, die durch Mißernten, Wirtschaftskrisen und Verschuldung hervorgerufen waren, ein Auslöser von Massenverelendung (Pauperismus) waren.

3.5.1     Hungersnöte in Rammersweier und ihre Folgen

Die Jahre 1817/18 waren geprägt von einer schweren Agrarkrise. Schon 1814 und 1815 war man mit der Ernte nicht zufrieden, doch 1816 kam es infolge eines naß-kalten Sommers mit viel Regen zu einer schweren Mißernte. Nach dieser katastrophalen Mißernte, welche sich im ganzen Land auswirkte, folgte eine große Hungersnot, in der viele Rammersweirer den Tod fanden. 1816 wurde kein Paar in Rammersweier verheiratet, die Geburtenrate fiel und gleichzeitig erhöhte sich die Sterberate. Von 1819-1843 wuchs die Bevölkerung stetig an, wofür die Beendigung des Dritten Koalitionskrieges (1815) und das Abschwächen der Hungersnot verantwortlich zu machen sind. Die Geburtenzahlen in Rammersweier sind zu dieser Zeit sehr sprunghaft und liegen z.T. über dem badischen Schnitt (z.B. Geborenenziffer 1831: 50 Promille gegenüber Baden mit 37,6 Promille).

Zwischen 1838 und 1851 stand das Dorf erneut vor schweren sozialen Problemen, hervorgerufen durch steigende Bevölkerungszahlen (was zur Folge hatte, daß die gleiche Landfläche auf mehr Menschen verteilt wurde) und unzumutbarer Entlohnung. So verdreifachten sich die Brotpreise von 1841-1847, während die Löhne fast unverändert blieben. Zwei Notstandsjahre (1830 und 1832) hatten zur Folge, daß viele Einwohner von Rammersweier bettelnd in die Stadt zogen, wo die Bürger eine Suppenanstalt errichteten, um die Rammersweirer mit Brot und Suppe zu versorgen. Nach acht Jahren erschütterten zwei trockene Sommer (1840 und 1842) wiederholt das Dorf, wodurch man schlechte Ernteerträge bei Heu, Obst und Kartoffeln zu verzeichnen hatte. Erneut hatte die Bevölkerung nach den noch nicht vergessenen Hungerjahren (1830 und 1832) mit Hunger und Elend zu kämpfen. Diese heute unvorstellbaren Umstände wurden ebenfalls durch den Rückgang von Verehelichungen und einer zunehmenden Sterberate deutlich. 1852 erreichte die Hungersnot ihren Höhepunkt: Die Offenburger Armenunterstützungskomission errichtete wieder eine Suppenanstalt. Von Februar bis Juni 1852 erhielten die Rammersweirer täglich 100 Portionen Suppe. Joseph Belli (1849-1927), der in Rammersweier als Sohn kleiner Weinbauern geboren wurde, 1868 in Heidelberg den Sozialdemokraten beitrat und fortan gewerkschaftlich und politisch aktiv war, schreibt:

„Männer wurden vom Gemeinderat bestimmt, die in Tragbütten die Suppe aus der Stadt holen mußten. Bald erzählte man im Dorfe, daß diese Büttenmänner unterwegs abstellten und im voraus die Suppe für ihre Angehörigen ausschöpften. Die bäuerliche Ratsversammlung wußte sich zu helfen, die Bütten bekamen Deckel mit einem Schlosse versehen. Die Schlüssel befanden sich beim Komitee und beim Bürgermeister“

3.5.2     Die Auswanderungswelle

Aufgrund der hier aufgezeigten fatalen Umstände waren zu dieser Zeit viele Familien in solch aussichtslosen Situationen, daß sich einige zur Auswanderung in bessere Gebiete entschlossen. Die Väter der Familien sahen nach den Hungerjahren keine Möglichkeit mehr ihre Familien durchzubringen, ebenfalls gab auch der Bodenmangel Anlaß zu dieser Entscheidung.

Bereits 1816 entschlossen sich acht Rammersweirer Familien zur Auswanderung in die USA. Doch die große Auswanderungswelle vollzog sich zwischen 1840 und 1846, welche zu einem regelrechten Bevölkerungsschwund führte. Einundvierzig Familien wanderten nach Nordamerika aus. Von 1830 bis 1860 verließen etwa 225 Rammersweirer das Dorf.

Doch nicht allen gelang dieser Schritt mit Erfolg. Die Familie May verkaufte 1840 ihr ganzes Hab und Gut; doch das kleine Vermögen war bereits nach einem kurzen Zeitraum aufgebraucht, ohne daß man den Weg nach Amerika geschafft hatte. Nach drei Jahren kam die Familie mit einer Tochter nach Rammersweier zurück. Der Vater verließ als Tagelöhner wegen Meinungsverschiedenheiten die Familie, während die Ehefrau vergeblich die Gemeinde um Armenunterstützung bat. Was man früher als Armutsflüchtlinge bezeichnete, würde man in der Gegenwart abwertend als Wirtschaftsasylanten darstellen.

Das Ende der Auswanderung

Zu Beginn der 1860er Jahre sanken die Auswandererzahlen; viele Parzellenbauern sicherten sich ihren Lebensunterhalt durch einen Arbeitsplatz in der Industrie. Viele fanden Arbeit auf dem 1844 erbauten Bahnhof in Offenburg. Dadurch schwand die ökonomische Bedeutung der Landwirtschaft, so daß Rammersweier nach und nach zum Arbeiterort (wie viele Gemeinden um Offenburg) wurde.

3.6     Das Wappen

Abbildung 5: Die Form des alten Wolfswappen

Abbildung 6: Der Grenzstein mit dem  alten Rammersweirer

Siegel steht heute auf dem Gelände vom Minigolfplatz

        

Abbildung 7: Heutiges Wappen, in Silber auf grünem Dreiberg ein schreitender, rotgezungter schwarzer Wolf

Vor dem heutigen Wappen waren die Buchstaben RS (= Rammersweier)das Siegelbild für Rammersweier.  Anfang des 19. Jahrhunderts stellt sich in einem von einer Laubkrone überhöhten Schild der schreitende Wolf ein.

Doch woher der Wolf als Wappen? Mein Vater kann sich noch daran erinnern, daß ihm seine Großmutter von einem Streit erzählte, in dem sich die Rammersweirer wie Wölfe wehrten und die Zeller (vom Nachbarort Zell-Weierbach) wie Esel daneben gestanden haben sollen. Tatsächlich geht das Wappen nach mündlicher Überlieferung auf eine Begebenheit in der Zeit der Reformation zurück, als man versuchte, die Lehre Luthers in der Gegend zu verbreiten. Die Rammersweirer erzürnten von den Worten des neuen Predigers und jagten ihn von der Kanzel, während die Zeller nur verblüfft zusahen.

„In der heutigen Bevölkerung ist das Andenken an ein Auftreten der Reformation in der hochgefeierten Marienkirche fast erloschen und nur die zwei Spottnamen, welche die Rammersweirer, so man „Wölfe“ nennt, und die Zeller, welche „Esel“ gescholten werden, vom Volksmunde zu hören bekommen, mahnen noch dunkel an jene Zeit. Als einst, meldet eine mündliche Überlieferung, einer der eingesetzten Pfarrer die neue Lehre Luthers verkündete, ergrimmten die Rammersweirer, stürmten auf die Kanzel, verschlugen ihm mit Rebstecken den Kopf und jagten ihn herab, während die Zeller verblüfft zusahen. Der mißhandelte Prediger rief donnernd in die Kirche: Diese fallen mich an, wie reißende Wölfe das fromme Schaf, und ihr Zeller dort hinten gafft ruhig zu, wie die Esel über den Hag.“

In Rammersweier wissen nur noch wenige, daß eine an Kirchenprozessionen (wie z.B. Fronleichnam) bis an den heutigen Tag getragene Wachskerze als Symbol dafür steht, daß die Rammersweirer die Gedanken der lutherischen Kirche im Ursprung bekämpften. Doch wie man aus Tabelle 4 entnehmen kann, leben heute beide Religionsgemeinschaften nebeneinander, wobei die Zahl der Katholiken deutlich höher ist, als die der evangelischen Bürger.

3.7     Gewanne und Flurnamen von Rammersweier

Acker Reben

Affental

Am graseten Weg

Auf dem Äckerle

Auf den Linsen

Auf der Kreuzebene

Brücklesbünd

Bündt

Der Weiersberg

Die Steinäcker

Dorfmatten

Ebersweiererweg

Endweyerloch

Fuchshalde

Geisleshalde

Griesmatten

Hasensprung

Heidenacker

Heidengarten

Helgenantle

Im Alten Garten

Im Grund

Im Lettner

Krestenweggewann

Kühlager

Laubenmatte

Lindenhöhe

Loh

Neue Berg

Neuer Weggewann

Ober und Unter Schambach

Obere und Untere Grundmatt

Obere und Untere Riedhalde

Oberer und Unterer Laubenberg

Pflenzinger

Riedenloh

Rittgewann

Sauläger

Scheerbründt

Schellenberg

Schleichgäßchen

Sommerhalde

Spring

Spring Loh

Strangen

Talebuckel

Talematte

Wald Reben

Waldmatten

Wann

Wärmersbach

Weiermatte

Wüstenacker


Abbildung 8: Blick vom Gewann 'Pflenzinger' auf das Oberdorf

Flurnamen sind einzelne Teile der Landschaft und können für die Volkskunde sowie die Siedlungs- und Sozialgeschichte wertvolle Aufschlüsse bringen.

Es ist schwer, für die Flurnamen und Gewanne eine Deutung zur Herkunft zu finden. Für viele Namen lassen sich nur Vermutungen aufstellen. Die Flurnamen erhielten ihre Bezeichnung oft durch ihren Herrn oder den Bearbeiter.

Über Namen wie den Schambach, den Talebuckel, das Helgenantle und das Flurstück Steinäcker sind genauere Angaben möglich:

Wie viele Dörfer ist Rammersweier nicht durch einen Gründungsakt entstanden, sondern mehr durch eine allmähliche Anhäufung von Häusern und Höfen. Durch Kriege und anderen Einflüsse haben sich solche Siedlungen immer wieder verändert. So befanden sich vermutlich bis ins 15. Jahrhundert nördlich des heutigen Dorfkerns von Rammersweier, zwischen Bohlsbach, Ebersweier und dem Durbacher Wald, die Siedlung „Schambach“ und das Dörfchen „Talheim“. Heute erinnern noch die Flurnamen „Schambach“ und „Talebuckel“ an die eingegangenen Wüstungen.

Das kleine Kloster Helgenantle bei Rammersweier

Im heutigen Gewann „Helgenantle“ im Norden der Gemarkung Rammersweier soll ein Beginenklösterlein gestanden haben, welches eine Filiale und Sommeraufenthalt eines Beginenklosters in Offenburg war. Die Beginen waren eine aus Frauen bestehende Ordensgemeinschaft, die sich im 12. und 13. Jahrhundert gebildet hatten und ihre Lebensform nach religiösen Grundgedanken richteten.  Im Allerheilger Coptialbuch kann man lesen, daß am 15. April 1307 eine Begine in Offenburg drei Jeuch Ackerfeld in Rammersweier an das Kloster Allerheiligen verschenkte.

In den Spitalurkunden von Offenburg vom 19. Mai und 6. Juli 1432 liest man in einem Kaufbrief folgende Worte:

„Vor dem Hofrichter des Archidialkonates über dem Rhein zu Straßburg kauft Herr Nicolaus Rüsse, Priester und Spitalmeister zu Offenburg, von Elsa, (...) Meisterin des Beghinenhauses zu Offenburg (...) Gefälle zu Ebersweier um 10 Pfund Pfennig.“

Auf dem beschriebenen Grundstück wurde das Klösterlein errichtet. Mit der Zerstörung von Rammersweier im 30jährigen Krieg verschwand auch das Klösterlein.

Auf dem Flurstück „Steinäcker“ kann man bis heute alte Tonscherben finden, die jährlich bei der Bearbeitung des Bodens zum Vorschein kommen. Experten vermuten an dieser Stelle die Reste einer römischen Villa. Wie im Kapitel ‘Die Kelten und die Römer’ bereits erwähnt, führten durch Offenburg zwei bedeutende römische Straßen, so daß diese Vermutung schlüssig erscheint.

3.8     Das Schlößlein Erlenburg

Ob es das Schlößlein Erlenburg in der heutigen „Grundmatte“ wirklich gegeben hat, ist bis heute noch unklar. Ludwig Heizmann schreibt in seinem Buch „Die Klöster und Herrenhöfe im Kirchspiel Weingarten bei Offenburg in Baden“:

„Dasselbe wurde um 1240 vom Schutterer Abte Heinrich I. erbaut. Unter ihm war am 19. Juni 1240 der dritte Klosterbrand (...) Zur Unterkunft für einen Teil der Kosterinsassen wurde eine Niederlassung, ein Hof bei Ober-Rammersweier, als Notbehelf erbaut. 1520 hatte ihn Abt Konrad II. an einen Ritter von Erlenburg verkauft, von dem er auch den nachmaligen Namen ‘Erlenburg’ erhielt.“

Heizmann berichtet weiter, daß die Erlenburg im 30jährigen Krieg mit Rammersweier völlig zerstört wurde. Als die Schweden im Januar 1632 über den Rhein bei Kehl übersetzten, wurden nach dem Durchzug durch das Hanauerland Dörfer wie Urloffen, Appenweier und Griesheim ausgeplündert. Nach der Überlieferung ritten 3 Vorposten in Rammersweier ein, wobei einer der Soldaten von einem Knecht, gebürtig aus Durbach, erschossen wurde. Die beiden anderen Soldaten ritten sogleich ins Hauptquartier zurück und erstatteten Meldung. Da der Täter flüchtig war und eine zurückkehrende Truppe von Reitern glaubte, der Schütze sei in der Erlenburg versteckt, gingen daraufhin Dorf und Schloß in Flammen auf. Der Sage nach soll sich unter den Ruinen der Burg ein Faß mit Goldstücken befinden.

Bei einem Neubau auf dem Gelände, wo früher die Erlenburg gestanden haben soll, fand der Eigentümer zwar tatsächlich alte Grundmauern, doch gegen die Existenz des Schlößleins gibt es eine ebenso schlagkräftige Gegenthese.

In einer Veröffentlichung eines gewissen H. J. Hoffmanns erscheint ein Verweis auf die Existenz der Burg Erlenburg, wobei „Romansweiler“ ebenfalls erwähnt ist. Der Widerspruch dieser Urkunde liegt nun darin, daß für Rammersweier in der Vergangenheit zwar verschiedene Schreibweisen (Romschyler, Rambschweiler,...) verwendet wurden, aber in keiner Urkunde die Schreibweise „Romansweiler“ steht. Eine Namensverwechslung?

Im Elsaß gibt es einen kleinen Ort mit dem Namen „Romerswil“, wo man in einer alten Landkarte neben dem elsässischen „Romanswiler“ eine „Erlenburg“ finden kann. 1659 zerfiel das Schloß. An dieser Stelle steht heute in Roamswilre ein verfallenes Landhaus.

3.9     Entdeckung aus vergangenen Tagen - Das Römerbad

Wie schon im Vorfeld unter der Überschrift „Die Kelten und Römer“ berichtet wurde, kreuzen sich in Offenburg zwei römische Straßen. Heute vermutet man auf der Gemarkung Offenburg eine Niederlassung und sogar vielleicht ein römisches Kastell. Bestätigt wird diese Vermutung durch eine „Villa Rustica“ (römischer Gutshof), die man 1971 neben der zur Lindenhöhe führenden Lonsstraße freigelegt hat.

Im Frühjahr 1993 begann man mit der Erschließung eines neuen Gewerbegebietes in Rammersweier. Das Gelände, durch das heute die verlängerte Moltkestraße führt, wurde von einem Bombensuchtrupp nach Überresten aus den Kriegen abgesucht. Wie erwartet, spürten die empfindlichen Sensoren an einer Stelle nicht die Hinterlassenschaften des Krieges auf, sondern Mauerreste. Zunächst schätzte man diese in die Zeit des Mittelalters.

Die Grabungen konnten jedoch erst ein Jahr später aufgenommen werden, da aufgrund der Bauarbeiten direkt daneben ein Erdwall der neuen Straße aufgehäuft war. Als man dann mit der Ausgrabung begann, datierte man aus den Überresten einer südgallischen Tonscherbe die Mauerreste auf die Zeit um etwa 50 n. Chr. Die Überraschung war groß, zumal die eigentliche Besiedlung der Römer in dieser Gegend erst 20 Jahre später in Gang gekommen war.

Als die Ausgrabungen im Sommer 1994 beendet waren, war die Sensation perfekt. Die Mauerreste waren ein Teil von einem beheizten römischen Bad, welches vermutlich zu einem ländlichen Anwesen („Villa Rustica“) gehörte. In dem Bad gab es ein Warm-, Kalt-, Sitz- und Schwitzbad. Es bestand aus einem Doppelboden zwischen dem ein Feuer brannte; ersichtlich wurde dies durch den Lößlehm, der durch die Hitze rotgefärbt ist. Die Grundmauern sind vollständig erhalten, bis auf einen kleinen Teil, die der Probegrabung des Baggers zum Opfer gefallen sind. Im Jahresbericht der Badischen Stahlwerke kann man lesen:„Wo morgen der Verkehr rollen soll, tummelten sich gestern die Römer im Bad.“

Glücklicherweise liegt das Bad direkt neben der Moltkestraßeverlängerung und kann somit erhalten bleiben. Das Kleinod wurde im Sommer 1995 von einheimischen Maurern und Handwerkern mit Hilfe von Archäologen konserviert, damit das alte Mauerwerk nicht in kurzer Zeit der Witterung zum Opfer fällt.

Abbildung 9: Die Skizze zeigt den archäologischen Befund der Badanlage in Rammersweier: P - Heizstelle, C - Heißbad, S - Schwitzbad, T - Laubad  (Quelle: Landesdenkmalamt Freiburg)

Wie man mittlerweile weiß, war die Anlage ein Militärbad. Etwa 50 Meter von der Fundstelle des Bades, hat man eine Ofenanlage entdeckt. Neben dieser Ofenanlage verlief ein Spitzgraben, der zu einem römischen Erdkastell gehörte. Die einzigen Beweise für das Kastell sind nur noch Bodenverfärbungen, welche anhand von Geländeschnitten festgestellt worden sind. Die Forschungs- und Grabungsarbeiten der Arbeiter des Landesdenkmalamtes dauern derzeit noch an.

Abbildung 10: Das Bad nach der Ausgrabung